...
Lieber Neuruppino,
mein Freund Raoul findet seltsamerweise keinen Zugang zu diesem Schreibtisch, er hat mich gebeten, für ihn einzuspringen, was ich - leider etwas in Eile - gern tue. Er fand Deinen Brief ’zum Nachdenken schön’ (so ähnlich jedenfalls habe ichs im Ohr), hätte wohl auch früher geantwortet, aber da stand dann die lange Ausführung über den kriegerischen Islam im Weg, die er erst gelesen haben wollte und natürlich nicht las, dies als Grund nehmend, noch nicht antworten zu können. Man kennt das, so vergehen die Tage.
Ich musste es ja nicht lesen, spinge nur ein. Bin mal drüberweggesaust und fand: Viele Greueltaten, viel blutige Märtyrer - weigerte mich, die Absicht des Autors, da zwischen Gut und Böse, kulturell hoch und nieder nachzuvollziehen. Ich meine - und bin mir in diesem Punkt mit Flüchtig ganz einig: Wenn es um Macht geht, ist Gott für alles gut, und es hat mit ihm/ihr gar nichts zu tun. Wenn selbst der friedlichste Zugang zu einem Gottvater (durch Christus, den Sohn) so blutig vermatscht werden konnte, so ’versaut’, dann taugt Religion nicht für das Soziale. Also gibt es auch keine ’blutigen Religionen’, nur Machtkämpfe. Und die finden seit langer Zeit um Rohstoffe, Märkte, Profite statt. Ausnahmen bestätigen diese Regel, häufig und gern, aber sie gilt und leider kommt da nichts andres (man wünscht es sich, weil man die Welt gern verzauberter hätte...)
Die Geheimnisse entblättern sich (oder verhüllen sich umso mehr) immer nur, wenn eine Geschichte erzählt wird. Ein Vorhang zerrissen, Einblick ermöglicht wird. Und zugleich verhüllt durch das Spiel, das wir Kunst nennen.
Da hast Du wieder Recht, und danke, dass Du daran erinnerst.
Wie wärs mal mit einem Roman, der heut im Iran spielt? Oder in Ost-Timor?
Das ungefähr sollte ich ausrichten von Flüchtig - und schließe mich an mit Grüßen und einem kleinen Lied,
Buchstab
Zum Anhören klicken:
The great Nations of Europe
mein Freund Raoul findet seltsamerweise keinen Zugang zu diesem Schreibtisch, er hat mich gebeten, für ihn einzuspringen, was ich - leider etwas in Eile - gern tue. Er fand Deinen Brief ’zum Nachdenken schön’ (so ähnlich jedenfalls habe ichs im Ohr), hätte wohl auch früher geantwortet, aber da stand dann die lange Ausführung über den kriegerischen Islam im Weg, die er erst gelesen haben wollte und natürlich nicht las, dies als Grund nehmend, noch nicht antworten zu können. Man kennt das, so vergehen die Tage.
Ich musste es ja nicht lesen, spinge nur ein. Bin mal drüberweggesaust und fand: Viele Greueltaten, viel blutige Märtyrer - weigerte mich, die Absicht des Autors, da zwischen Gut und Böse, kulturell hoch und nieder nachzuvollziehen. Ich meine - und bin mir in diesem Punkt mit Flüchtig ganz einig: Wenn es um Macht geht, ist Gott für alles gut, und es hat mit ihm/ihr gar nichts zu tun. Wenn selbst der friedlichste Zugang zu einem Gottvater (durch Christus, den Sohn) so blutig vermatscht werden konnte, so ’versaut’, dann taugt Religion nicht für das Soziale. Also gibt es auch keine ’blutigen Religionen’, nur Machtkämpfe. Und die finden seit langer Zeit um Rohstoffe, Märkte, Profite statt. Ausnahmen bestätigen diese Regel, häufig und gern, aber sie gilt und leider kommt da nichts andres (man wünscht es sich, weil man die Welt gern verzauberter hätte...)
Die Geheimnisse entblättern sich (oder verhüllen sich umso mehr) immer nur, wenn eine Geschichte erzählt wird. Ein Vorhang zerrissen, Einblick ermöglicht wird. Und zugleich verhüllt durch das Spiel, das wir Kunst nennen.
Da hast Du wieder Recht, und danke, dass Du daran erinnerst.
Wie wärs mal mit einem Roman, der heut im Iran spielt? Oder in Ost-Timor?
Das ungefähr sollte ich ausrichten von Flüchtig - und schließe mich an mit Grüßen und einem kleinen Lied,
Buchstab
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The great Nations of Europe
buchstab - 6. Okt, 12:58